Stand der Dinge

 

Nach dem Betrachten bleiben wahrscheinlich zunächst die uns fremden Dinge in Erinnerung: Zeugnisse der Sowjetzeit, monumentale Denkmäler – allein gelassen, verrottend, ignoriert. Aber da sind auch die Blumen auf den Gedenktafeln für die toten Soldaten der Roten Armee oder die größte Statue Europas, Rodina Mat Sowjot (Mutter Heimat ruft), Bild 32, in Wolgograd, ehemals Stalingrad – sie scheint gut besucht.

Diese Reise führt aber auch einfach nur in leere Landschaften, wie sie von der Straße aus sichtbar sind. Überhaupt sind die meisten Blicke ohne die Straße nicht möglich, zum Teil ist sie selbst Thema (Bild 12 oder 26, 37). So erscheinen die Fotografien wie ein Road-Movie über die Landschaften wie sie jetzt, am Ende der Nuller Jahre, zu finden sind – eine Bestandsaufnahme von zumeist stillen, häufig leeren Orten.

Kehrt man am Ende dieser Reise wieder zurück in den uns bekannten Westen, erkennt man ihn nicht gleich. Die Grenzen sind fließend geworden – oder waren sie das vielleicht schon vor der Zeitenwende? Beim Betrachten der letzten Fotografien dämmert uns langsam, dass wir wieder „zu Hause“ sind. Vor dem Hintergrund der Reise in den Osten, von dem die meisten zu wissen glauben, das er hässlich ist, sehen wir den uns bekannten Westen vielleicht mit anderen Augen. Die typischen Bauten der 70er und 80er Jahre wirken ebenfalls wie Relikte aus einer vergangenen, aus einer fernen Zeit.

Diese Reisen in den Osten sind für mich auch wie eine Reise zurück in die Zeit meiner Kindheit, als nicht alles gepflegt und ordentlich war, als es kein Geräusch von Rasenmähern gab, Nachbarn Hühner hielten und Kaninchen, die Bürgersteige nicht befestigt und mit schwarzer Hochofenschlacke bestreut waren. Von etlichen Stürzen habe ich immer noch etwas davon unter der Haut in den Narben meiner Kniee.